BERLINER INTERESSENGEMEINSCHAFT SOLIDARISCHER STAATSBEDIENSTETER

Ihr Slogan

05.04.2019 "Respice, lector, in nihil ab nihilo quam cito recidimos."

"Bedenke Leser, wie schnell wir vom Nichts ins Nichts zurückkehren", bedeutet dieses lateinische Zitat.

Am Mittwoch, den 03.04., gingen Fotos durch die Medien, die die von unbekannten Tätern geschändeten Gräber der im Dienst getöteten Roland Krüger und Uwe Lieschied zeigten. Grabsteine waren mit Farbe beschmiert und sogar umgestürzt worden. 

Presseberichte, dass polizeiliche Ermittlungen in diesem Fall ausgeblieben waren oder zumindest etwas unkonventionell abliefen, möchten wir an dieser Stelle nicht kommentieren, weil wir sie nicht kontrollieren können. Auch darüber, dass die Behördenleitung über den Vorfall nicht zeitnah informiert worden war, wurde berichtet. Beides spielt für diesen Beitrag eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist es, wie schnell sich eine große Solidarität entwickelte, um die verursachten Schäden möglichst schnell und für die Angehörigen ohne Kosten zu beseitigen.

Einzelne Kolleginnen und Kollegen meldeten sich, Politiker, Firmen und Vereine - auch wir boten unsere Unterstützung an. Ein Kollege vom Abschnitt 56, ehemals Angehöriger des Spezialeinsatzkommandos und einstiger Kamerad des am 23.04.2003 von einem Clan-Mitglied erschossenen Roland Krüger, koordinierte nach unserem Kenntnisstand dankenswerter Weise die Reinigungs- und Reparaturmaßnahmen.

Aufhorchen ließen uns die Aussagen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller: "Die zwei Beamten haben für uns ihren Kopf hingehalten, damit wir friedlich und sicher leben können. Es zeugt von entsetzlicher Menschenverachtung, deren Gräber so widerlich zu besudeln." So steht es in der Morgenpost.

Die BZ zitiert den Berliner Innensenator Andreas Geisel: "Abscheu und Scham empfinde ich bei dem Gedanken. Wir werden alles tun, um diese schändliche Tat aufzuklären."

Worte, die sich an die erwartungsvolle Öffentlichkeit, die geschockten Angehörigen und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Bekannte der getöteten Polizeibeamten Roland Krüger und Uwe Lieschied richten. Sie sind absolut zutreffend. Ob der Regierende Bürgermeister damit auch sein persönliches Empfinden ausdrückt, weiß nur er selbst. Für viele lebende Polizeibeamte, die durch die Außerachtlassung des Arbeitsschutzes auf den Schießständen zum Teil lebensbedrohend erkrankt sind, fand er derartige Worte bislang unseres Wissens nach nicht. Selbst einen verbrieften Hilferuf (siehe unten: "Wie re(a)giert der Bürgermeister?") aus den Reihen der Betroffenen beantwortete er nicht.

Ein bisschen mehr Schamgefühl hätten wir uns von Innensenator Andreas Geisel auch in der Schießstandaffäre gewünscht. Lange Zeit verweigerte er persönliche Gespräche mit der Interessengemeinschaft der betroffenen Dienstkräfte komplett, hielt die Entsendung seines Staatssekretärs Thorsten Akmann für ausreichend. Dann sagte er ein lange geplantes Treffen mit eben diesen Dienstkräften und ihren Angehörigen kurzfristig ab, um sich in einem späteren, sogenannten konstruktiven Gespräch im kleinen Kreis aller begründeten Kritik an der Umsetzung des Fürsorgefonds und der Charitéstudie komplett zu verweigern.

"Bedenke Leser, wie schnell wir vom Nichts ins Nichts zurückkehren."       

Wir wollen an dieser Stelle keine weiteren tödlich verlaufenden Krankheiten herbeischreiben, deren Entstehen mit den Schadstoffbelastungen auf den Schießständen in Zusammenhang stehen können. Wir kennen wissenschaftliche Studien, die die Gefahren derartiger Schadstoffbelastungen für den menschlichen Organismus belegen. Wir wünschen uns eine Anerkennung dafür, dass die lebenden, von der Schießstandaffäre betroffenen Dienstkräfte ihren Kopf für die Menschen dieser Stadt hingehalten haben und bewusst erheblichen Gesundheitsgefahren ausgesetzt wurden. Der Umgang mit diesen Dienstkräften lässt die gebotene Wertschätzung vermissen und kommt einer gewissen Menschenverachtung sehr nahe. Die schändlichen Taten der Verantwortlichen in  der Schießstandaffäre verdienen eine umfassende Aufklärung und straf- und/oder dienstrechtliche Konsequenzen.

Gleiches Recht für die Lebenden und die Toten! 

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