BERLINER INTERESSENGEMEINSCHAFT SOLIDARISCHER STAATSBEDIENSTETER

Ihr Slogan

10.03.2020 Versammlung bei der Dienstunfallfürsorge

"Anerkennung ist der Lohn für Leistung."

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.), römischer Redner und Staatsmann

Im November 2018 erhielt Werner Sintic die furchtbare Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Laut dem Robert-Koch-Institut liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenen Tumorstadien zwischen gerade einmal 0,2 und 0,4 %. Es handelt sich also um eine mit großer Wahrscheinlichkeit in kurzer Zeit tödlich verlaufende Erkrankung.

Bei Werner Sintic wurden Metastasen in der Lunge und der Leber gefunden. Eine fatale Diagnose, die den Polizeibeamten - viele Jahre Angehöriger der GSG 9 und des SEK Berlin - jedoch nicht in eine tiefe, zu erwartende Depression stürzte, sondern das Kämpferherz in ihm weckte. Er wollte diese Krankheit mit allen Mitteln besiegen, für sich selbst, aber auch für seine Familie und Freunde.

Letztendlich scheiterte Werner Sintic. Trotz seines unglaublich starken Willens und verschiedenster Therapieformen breitete sich der Krebs in seinem Körper aus.

Erst die Ärzte, dann auch er selbst gaben den verzweifelten Kampf gegen diese heimtükische Krankheit auf.

Doch Werner Sintic wird nicht nur der eigenen Familie und vielen Freundinnen und Freunden und Kolleginnen und Kollegen als großartiger Mensch in Erinnerung bleiben, sondern auch als energischer Vertreter einer gerechten Aufarbeitung der Schießstandaffäre!

Nachweislich wurden toxische Substanzen durch das Abfeuern veralteter, schadstoffreicher Munition freigesetzt und von mangelhaften Be- und Entlüftungsanlagen nicht ordnungsgemäß abgesaugt, wodurch schwerwiegende Erkrankungen entstehen können.

Ein kompetent besetztes, von der Innenverwaltung zur Bewertung verschiedener Krankheiten beauftragtes Expertengremium zu einem Fürsorgefonds stufte die Zusämmenhänge zwischen den Arbeitsumständen und der eingetretenen Krebserkrankung zumindest als plausibel ein.

Wiederholt nahm Werner Sintic an Treffen mit Politikern teil. Wenngleich aus dem Fürsorgefonds "Schießstätten" selbst mit einer Ausgleichszahlung bedacht, verwies er immer wieder darauf, nicht verstehen zu können, warum viele seiner Kameraden keine Entschädigung erhalten haben, wo sie doch regelmäßig mit ihm gemeinsam unter den zum Teil unsäglichen Umständen auf den Schießständen gelitten hätten. Er berichtete von den grauen, reizenden Dämpfen, denen sie alle ausgesetzt waren.

Gezeichnet von seiner schweren Krankheit appellierte Werner an den Innensenator Geisel, die fehlerhaften Entscheidungen der Bewertungskommission zu korrigieren. Vor allem aber auch, einen zweiten Schritt zu machen und die angezeigten Dienstunfälle wohlwollend zu prüfen. Die völlig unverständliche Reaktion des Innensenators mit vor der Brust verschränkten Armen und der Ansage: "Dann klagen Sie doch" bleibt vielen Teilnehmern dieses Treffens in trauriger Erinnerung.

Werner und Petra Sintic ließen verschiedene Pressevertreter einen tiefen Einblick in ihr Privat- und Gefühlsleben gewinnen, um die Öffentlichkeit nicht nur auf die eigene Situation, sondern die vieler betroffener Kolleginnen und Kollegen aufmerksam zu machen. 

Ihnen beiden gebührt größter Dank, Respekt und Anerkennung, zumal Werner Sintic all dies unter Aufbietung enormer Anstrengungen realisierte, die seinen Körper oft an die Belastungsgrenze brachten.

Im Februar 2020 erhielt Petra Sintic einen Anruf der Dienstunfallfürsorge. Vordergründig ging es dabei um eine Aufenthaltsermittlung. Werner Sintic sollte für die Staatsanwaltschaft Berlin vom Landeskriminalamt im anhängigen Strafverfahren zur Schießstandaffäre vernommen werden.

Im Gespräch erkundigte sich die Anruferin, bei der es sich um die Leiterin der Dienstunfallfürsorge, Frau Schön, handelte, ob und wann sich Werner Sintic einer arbeitsmedizinischen Untersuchung zur Entscheidung über seinen angezeigten Dienstunfall unterziehen könne. Diese wäre wichtig, da sonst ein negativer Bescheid ergehen könnte!


Petra Sintic zeigte sich fassungslos ob des Vorgehens der Dienstunfallbehörde. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt bereits in einem Hospiz untergebracht. Die Behandlungen waren seitens der Ärzte für aussichtslos erklärt worden. Durch die Gabe von starken Schmerzmitteln sollten Werner Sintic die verbleibenden Lebenstage erträglich gemacht werden.

Seit zum Teil vier Jahren sind die Dienstunfälle zur Schießstandaffäre unbeschieden. Weder eine Studie der Charité Berlin noch die bereits bei einigen Betroffenen durchgeführten arbeitsmedizinischen Untersuchungen konnten offenbar bisher eindeutig klären, ob sich ein kausaler Zusammenhang zwischen den Auswirkungen der jahrezehntelangen Arbeitsschutzverstöße und den bei vielen Betroffenen aufgetretenen Erkrankungen herstellen läßt.

Werner Sintic hatte bis zum Anruf der Dienstunfallfürsorge bei seiner Frau 15 Chemotherapien hinter sich gebracht. Vor kurzem erhielt er Bluttransfusionen im größeren Umfang! Selbst wenn die für ihn vorgesehene arbeitsmedizinische Untersuchung grundsätzlich geeignet wäre, durch Blut- und Urintests und einen Lungenfunktionstest irgendwelche Kausalitäten festzustellen, so wären jedewede Messergebnisse in diesem Fall aufgrund der vorangegangenen Behandlungen unbrauchbar gewesen!

In dieser Phase des Krankheitsverlaufes überhaupt auf den Gedanken zu kommen, Werner Sintic einer mehrstündigen Untersuchung zu unterziehen und diese mit dem Druck möglicher negativer Entscheidungen durchsetzen zu wollen, zeugt vom mangelnden Einfühlungsvermögen der Anruferin, deren Dienststelle nach Ansicht vieler Betroffener das Problem wohl lieber aussitzen statt durch eine Entscheidung verantwortungsbewusst beseitigen will.

Um sich für eine Entscheidung im Falle Werner Sintic einzusetzen und die Bestürzung über das empathielose Vorgehen der Dienstunfallfürsorge öffentlich kund zu tun, versammelten sich am 10.03.2020 unter dem Motto "...bis dass der Tod entscheidet?" zirka 100 Personen aus dem Familien-, Freundes- und Kollegenkreis in der Keibelstraße vor dem Dienstgebäude der Dienstunfallfürsorge.

Mit einem friedlichen Protest durch Redebeiträge des B.I.S.S.-Vorsitzenden Karsten Loest , der Ehefrau Petra Sintic, des ehemaligen BDK-Landesvorsitzenden Michael Böhl, des Beiratsmitglieds Bernd Grigoleit und dem Abspielen einiger Wunschlieder Werner Sintics machten wir auf die unakzeptable Situation aufmerksam.

Sie betrifft auch weitere Kollegen. Es wird Zeit, Entscheidungen zu treffen. Auch wenn diese negativ ausfallen, bieten sie den Anzeigenden doch die Möglichkeit, mit rechtsstaatlichen Mitteln ihr Anliegen prüfen und zu einem Abschluss bringen zu lassen.


Nicht warten, bis dass der Tod entscheidet!