BERLINER INTERESSENGEMEINSCHAFT SOLIDARISCHER STAATSBEDIENSTETER

Ihr Slogan

Historie

„Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.“

Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker und Schriftsteller

Startschuss: Schießstandskandal

Über Jahrzehnte wurden bei der Berliner Polizei Schießstandrichtlinien und Arbeitsschutzgesetze missachtet und die Polzistinnen und Polizisten bei ihrer vorgeschriebenen und wichtigen Aus - und Fortbildung an den Dienstwaffen erheblichen Gesundheitsbelastungen ausgesetzt!

Vor allem giftige Stäube und Dämpfe - freigesetzt bei der Schussabgabe und von veralteten Be - und Entlüftungsanlagen nicht ordnungsgemäß aus dem Atembereich abgesaugt - sorgten für chronische Vergiftungen durch Blei und andere toxische Substanzen.

Decken und Wände sind mit asbesthaltigen Verkleidungen versehen, die durch Beschuss beschädigt wurden und gefährliche Mineralfasern freisetzten!

Eine mangelhafte Schießstandreinigung sorgte für die Ansammlung leicht entzündlicher Pulverreste an Wänden und Böden. Die regelmäßige Wässerung der Untergründe zur Brandverhinderung führte zur Entstehung gesundheitsgefährdender Schimmelpilze, die ihre Sporen im unmittelbaren Trainingsbereich der übenden Schützinnen und Schützen absonderten.


Insbesondere der Schießstand in der Bernauer Straße ist von allen Risikofaktoren betroffen!




Risikogruppe: Vielschießer

Auf den Schießbahnen in der Bernauer Straße übten eine Vielzahl von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten den Umgang mit den Dienstwaffen für den Ernstfall. 

Vor allem dienten diese den Angehörigen der Berliner Spezialeinheiten - des Mobilen Einsatzkommandos, Präzisionsschützenkommandos und  Spezialeinsatzkommandos - sowie dem Personenschutz als Trainingsstätten. Für den enormen Umfang ihres Übungsschießens waren die aus den siebziger Jahren stammenden technischen Anlagen, die bei ihrer Inbetriebnahme für das Schießen auf lange Distanzen mit Gewehren ausgelegt wurden, nicht konzipiert. Gesundheitsschädigende Pulverdämpfe und Stäube nahmen die Beamtinnen und Beamten in großen Mengen regelmäßig über ihre Lungen auf!


Aus Kostengründen wurde darüber hinaus Trainingsmunition verwendet, die noch in großen Mengen in den Bunkern lagerte und als besonders schadstoffreich gilt!

Neben den Angehörigen der Spezialeinheiten waren auch die Schießausbilderinnen und - ausbilder sowie die sonstigen Mitarbeitenden, die für den Betrieb und die Reinigung der Schießanlagen verantwortlich waren, von den Umständen betroffen!

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die regelmäßige Aufnahme toxischer Substanzen zu einer chronischen Vergiftung des Menschen führen und sich daraus unzählige, zum Teil lebensbedrohliche Folgeerkrankungen entwickeln können!

Rund 1600 Polizeimitarbeitende gelten nach offiziellen Angaben als Betroffene!

Widerstand: Vom Einzelkämpfer bis zum Verein

Auf einem neu gebauten und frisch eröffneten Schießstand des Landeskriminalamtes Berlin verlor unser heutiger 2. Vorsitzender Thomas Kolling im Dezember 1996 aufgrund fehlender Endabnahme und dadurch nicht bemerkter Funktionsuntüchtigkeit der Be - und Entlüftungsanlage durch die Belastungen mit Pulvergasen und Kohlendioxid während des Schießtrainings das Bewusstsein! 

In den folgenden Jahren setzte er sich vor allem für die Beseitigung der vielfältigen Probleme auf diesem Schießstand ein, in dem er Vermerke verfasste, die diese beschrieben, Überprüfungen anmahnte und organisierte und sich mit Vorgesetzten auseinandersetzte, die die Gefahren für die Beamtinnen und Beamten zumindest teilweise unterschätzten!

Im Jahr 2004 übernahm er als Leiter des Schießwesens für das Landeskriminalamt offiziell die Verantwortung für das Schießtraining und setzte sich nun auch mit den Zuständen auf anderen Schießbahnen auseinander. Wenngleich er einen Teil der Missstände erkannte und diese zu beseitigen versuchte, konnten erst durch den Kontakt mit zwei Schießtrainern des Spezialeinsatzkommandos neue Wege beschritten werden, um die gesundheitsgefährdenden Umstände zu beseitigen!

Thomas Frei und Stefan Lange, selbst viele Jahre den Spezialeinheiten als Einsatzbeamte angehörend, hatten auf Anraten von Schießtrainern aus anderen Bundesländern im Jahr 2007 einen Vermerk über die unhaltbaren Zustände in der Raumschießanlage Bernauer Straße gefertigt.

Ihres Erachtens nach wurde dort gegen Schießstandrichtlinien und Arbeitsschutzvorschriften massiv verstoßen. Sie wiesen zu diesem Zeitpunkt bereits selbst Gesundheitsstörungen auf, deren Ursachen sie allerdings nicht kannten.

Die Behördenleitung hatte inzwischen verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben, die die Missstände weitestgehend bestätigten. Insbesondere der Zustand der Be - und Entlüftungsanlagen wurde auf verschiedenen Schießständen als unzureichend bewertet.

Im Jahr 2011 brachten Thomas Kolling, Thomas Frei und Stefan Lange das Thema der maroden Schießstände über einen Bezirkspolitiker mittels einer parlamentarischen Anfrage in das Abgeordnetenhaus.

In den Jahren 2011-2012 wurden auf Veranlasssung des Polizeipräsidenten Klaus Kandt 62 von 73 Schießbahnen aufgrund der Gesundheitsgefahren für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten geschlossen, viele davon wegen der erheblichen Technik - und Baumängel dauerhaft.

Im März 2015 engagierte sich erstmals der Bund Deutscher Kriminalbeamter als Gewerkschaft ernsthaft für die Interessen der durch die Mängel vermeintlich vergifteten und folgeerkrankten Polizeibeamtinnen und - beamten und gründetete eigens eine Arbeitsgruppe "Schießstätten"! Der langjährige Landesvorsitzende Michael Böhl, Ehrenmitglied unseres Vereins, sorgte in Behördenleitung und Politik dafür, dass sich dieses Themas verantwortungsvoll angenommen wurde.

Im Oktober 2015 berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg in der Berliner Abendschau ausgiebig über die erheblichen Gesundheitsgefahren, der sich die Polizistinnen und Polizisten bei ihrem Schießtraining ausgesetzt hatten.

Die Enthüllungsjournalistin Gabi Probst hatte akribisch recherchiert und die Missstände beeindruckend dargestellt!

In der Folge wuchs die Gruppe kritischer Polizistinnen und Polizisten um Thomas Kolling, Thomas Frei, Stefan Lange und Michael Böhl stetig an, und es entstand eine Interessengemeinschaft, die couragiert und engagiert zunächst gegen zum Teil fortbestehende Missstände auf den Schießstätten vorging.

Darüber hinaus bemühte sich die Interessengemeinschaft darum, dass die Staatsanwaltschaft das  Verfahren gegen verantwortliche Personen voran trieb, die auf den maroden Schießständen zu Schaden gekommenen Behördenmitarbeitenden für ihre Belastungen entschädigt und nachfolgende Generationen durch Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes zukünftig besser geschützt werden!

Inzwischen wird ein umfassendes Ermittlungsverfahren gegen drei ehemalige Berliner Polizeipräsidenten geführt.

Der Berliner Senat legte mit Zustimmung aller Fraktionen des Berliner Abgeordentenhauses einen Fürsorgefond auf, aus dem die belasteten Mitarbeitenden der Polizeibehörde für ihre Gesundheitsstörungen entschädigt werden sollen!

Die meisten der vor Jahren gesperrten Schießstände sind noch immer geschlossen und werden nicht mehr für den scharfen Schuss beziehungsweise erst nach Durchführung entsprechender Ertüchtigungsmaßnahmen wieder freigegeben. Im Polizeihaushalt sind Finanzmittel für den Neubau mehrerer Trainingszentren einschließlich moderner Raumschießanlagen eingestellt!

Am 07.05.2018 wurde aus der Interessengemeinschaft "Schießstätten" der Verein

BERLINER INTERESSENGEMEINSCHAFT SOLIDARISCHER STAATSBEDIENSTETER

Heute:  Berlin hat B.I.S.S.

Eine kleine Gruppe der aktiven Angehörigen der Interessengemeinschaft beschloss eine Vereinsgründung, um weiterhin unabhängig von Gewerkschaften, anderen Interessengemeinschaften oder Parteien zu bleiben. Das bedeutet jedoch keine sachliche Ausgrenzung oder gar Weigerung, mit diesen Gruppen zu kommunizieren. Wir werden jederzeit offene, zielführende Gespräche suchen, wenn es die jeweilige Sache erfordert.

Noch immer gibt es viele offene Fragen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Schießstandskandals, die sich insbesondere um tatsächliche Ausgleichszahlungen aus dem Fond und zukünftige Versorgungsleistungen zum Beispiel durch die Anerkennung von Dienstunfällen drehen. 

Als Verein sind wir fortan organisatorisch besser aufgestellt!

Eine Vielzahl weiterer Probleme beschäftigen die Behördenmitarbeitenden: die noch immer hinter dem Bundesdurchschnitt liegende Besoldung, veraltete oder unvollständige Ausrüstung und Ausstattung, marode Amtsstuben und vieles mehr!

Wir wollen uns auch zukünftig mit der gleichen im Schießstandskandal gezeigten Hartnäckigkeit und Entschlossenheit für die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten und allen anderen Mitarbeitenden unabhängig von gewerkschaftlichen und behördeninternen Zwängen einsetzen!

Sie wollen mehr über den Schießstandskandal oder die weiteren oder nächsten Projekte unseres Vereins erfahren?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail, um weitere Informationen zu erhalten oder ein persönliches Treffen zu vereinbaren!

Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung!